Ich mache Ikonen der serbischen Heiligen und verkaufe sie als gerahmte Bilder, Kunstdrucke, Sticker und Druckvorlagen. Die meisten kaufen eine zur Krsna Slava, dem Familienfest, das jedes serbisch-orthodoxe Haus für seinen eigenen Schutzheiligen hält. Der Rest sind Geschenke.
Der Name kommt vom Heiligen Weinstock, dem alten Bild der serbischen Heiligen als Zweige eines lebenden Baumes. Gemalt findet man es auf den Freskenwänden der mittelalterlichen Klöster.
Ich bin Rade Kolbas. Geboren wurde ich in Gunja in Kroatien, nahe der Stelle, wo Kroatien, Bosnien und Serbien aufeinandertreffen. Die Familie meiner Mutter ist serbisch, die meines Vaters ruthenisch, eines der kleinen slawischen Völker dieser Gegend. 1992 sind wir vor dem Krieg nach Deutschland geflohen. Heute lebe ich in St. Gallen in der Schweiz und übersetze alte serbische Volkserzählungen ins Deutsche und Englische.
Das Haus, aus dem ich komme, gehörte meinen serbischen Großeltern. Ihre Geschichten und das, was sie aufgehoben haben, sind meine Verbindung zu Menschen geblieben, die ich nichts mehr fragen kann. Die wenigsten von uns erfahren je den Namen ihres Ururgroßvaters. Was bleibt, ist das, woran ein ganzes Volk festgehalten hat, und darin steckt etwas von ihnen selbst.
Daher diese Ikonen. Die Motive sind meine eigene Arbeit, gestaltet nach den alten Vorlagen, denn die Ikonen, die heute in den Kirchen hängen, sind moderne Werke und urheberrechtlich geschützt. Beschriftet werden die Heiligen kyrillisch. Auf dem Spruchband steht der Name des Festtages: Vidovdan, Đurđevdan, Nikoljdan, Petkovdan. Alles wird auf Bestellung gefertigt und weltweit über Etsy versandt.
Das Zeichen des Hauses ist die Kirche von Ravanica, das Kloster, das Fürst Lazar bauen ließ, bevor er 1389 auf dem Amselfeld fiel. Eine Ikone steht auf dem Regal, davor brennt das Kandilo, die kleine Öllampe.
Zu den Ikonen, oder schreiben Sie mir an [email protected].
